Ost-West oder Süd: Welche Ausrichtung bringt mehr?
Nach Süden ausgerichtet erzeugt jedes Modul in Österreich am meisten Strom. Eine Ost-West-Anlage bringt je kWp rund 80 Prozent davon – passt auf einem Flachdach aber mit deutlich mehr Modulen aufs Dach und liefert morgens und abends mehr. Welche Variante unterm Strich mehr bringt, hängt deshalb von der Dachfläche und von Ihrem Verbrauch ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Je kWp erreicht Ost-West mit 15 Grad Neigung 79 bis 83 Prozent des Ertrags einer Süd-Anlage mit 35 Grad (PVGIS).
- Im Sommer liefern beide fast gleich viel, im Dezember Ost-West nur etwa die Hälfte.
- Auf dem Flachdach stehen Ost-West-Reihen fast lückenlos – Süd-Reihen brauchen Abstand, damit sie sich nicht verschatten.
- Ost- und West-Module gehören nie in denselben String, können aber als getrennte Strings parallel an einem MPP-Tracker hängen.
- Der Wechselrichter darf bei Ost-West kleiner ausfallen.
Ertrag in Österreich: PVGIS-Werte
| Ort | Süd 35° | Ost-West 10° | Ost-West 15° | Ost-West 30° | Ost-West 15° im Vergleich |
|---|---|---|---|---|---|
| Wien | 1.175 | 975 | 967 | 934 | 82 % |
| Graz | 1.222 | 995 | 987 | 953 | 81 % |
| Linz | 1.141 | 950 | 943 | 910 | 83 % |
| Klagenfurt | 1.250 | 1.031 | 1.023 | 986 | 82 % |
| Innsbruck | 1.351 | 1.078 | 1.069 | 1.028 | 79 % |
Jahresertrag in kWh je kWp, berechnet mit PVGIS 5.3 (Wetterdaten 2005–2023, 14 Prozent Systemverluste, Horizont berücksichtigt); bei Ost-West als Mittelwert beider Seiten. Die optimale Süd-Neigung liegt bei 38 bis 41 Grad, bringt aber kaum mehr als 35 Grad.
Der Tagesverlauf
Im Juni erzeugt eine Ost-West-Anlage in Wien über den Tag fast genau so viel wie eine Süd-Anlage, nur anders verteilt: Um 6 Uhr früh liefert sie fast doppelt so viel, zu Mittag etwas weniger, am frühen Abend wieder mehr. Für den Eigenverbrauch ist das günstig, weil Morgen und Abend die Zeiten sind, in denen im Haushalt Strom gebraucht wird. Im Dezember dreht sich das Bild: Dann kommt die Sonne tief aus dem Süden, und eine Ost-West-Anlage erreicht nur etwa die Hälfte des Süd-Ertrags.
Flachdach: mehr Module auf derselben Fläche
Süd-Reihen auf dem Flachdach müssen so weit auseinander stehen, dass die vordere Reihe die hintere im Winter nicht verschattet. Bei 15 Grad Neigung und üblicher Modulbreite bleibt so nur gut die Hälfte der Fläche belegt. Ost-West-Reihen stehen Rücken an Rücken fast ohne Lücke; Fronius beschreibt in einem Whitepaper, dass so fast doppelt so viele Module aufs Dach passen. Pro Quadratmeter Dach liefert Ost-West daher meist mehr Strom, pro Modul weniger. Zwischen 10 und 15 Grad Neigung ändert sich der Ost-West-Ertrag kaum; unter 10 Grad reinigt der Regen die Module schlechter.
Tipp aus der Praxis
Ob Ost-West oder Süd besser passt, hängt vom Verbrauchsverhalten und von den Möglichkeiten vor Ort ab. Am besten das Dach vor Ort prüfen und die Varianten mit einem Simulationsprogramm wie PV*SOL durchrechnen.
Richtig verschalten
Innerhalb eines Strings müssen alle Module gleich ausgerichtet und gleich geneigt sein – Ost- und West-Module gehören also nie in Reihe in denselben String. Als getrennte Strings dürfen sie parallel an einem gemeinsamen MPP-Tracker hängen, wenn beide Strings gleich viele Module haben. Die Verluste liegen dann laut Simulationen meist unter einem Prozent. Weil sich bei parallelen Strings die Ströme addieren, muss der zulässige Eingangsstrom des Trackers dafür reichen; sonst kommen Ost und West an getrennte Tracker.
Wie groß der Wechselrichter sein muss
Weil Ost und West ihre Spitzen zu unterschiedlichen Zeiten haben, erreicht die Anlage selten ihre volle Modulleistung. Fronius nennt für Ost-West-Anlagen einen Wechselrichter, dessen Nennleistung bis zu 35 Prozent unter der Modulleistung liegt. Aus demselben Grund trifft die neue Möglichkeit der Netzbetreiber, die Einspeisung auf 70 Prozent der Modulleistung zu begrenzen (§ 101 ElWG), Ost-West-Anlagen kaum.
Häufige Fragen
Wie viel weniger bringt Ost-West?
Je kWp rund 17 bis 21 Prozent weniger als Süd mit 35 Grad. Auf dem Flachdach passen dafür deutlich mehr Module auf dieselbe Fläche.
Welche Neigung ist für Ost-West richtig?
Üblich sind 10 bis 15 Grad. Der Unterschied zwischen beiden liegt unter einem Prozent; flacher als 10 Grad verschmutzen die Module leichter.
Können Ost und West an einem MPP-Tracker hängen?
Ja, als getrennte Strings mit gleicher Modulanzahl parallel – sofern der Eingangsstrom des Trackers reicht. Nie aber gemischt in einem String.
Wie groß sollte der Wechselrichter sein?
Kleiner als bei Süd: Laut Fronius kann die Nennleistung bis zu 35 Prozent unter der Modulleistung liegen.
Lohnt sich Ost-West auf dem Satteldach?
Ja, wenn das Dach nach Osten und Westen zeigt: Beide Dachseiten belegt liefern zusammen einen langen, gleichmäßigen Tagesverlauf.
Ihr nächster Schritt
Unterkonstruktionen für das Flachdach gibt es als Ost-West-System → und als Süd-System. Die passende Anlagengröße ermitteln Sie mit Wie viel kWp brauche ich?. Eine durchgerechnete Belegung für Ihr Dach erhalten Sie über Planung anfragen.
Stand: Oktober 2026. Quellen: PVGIS 5.3 der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU (re.jrc.ec.europa.eu), Fronius-Whitepaper „Advantages of east-west systems“ (11/2021), Elektrizitätswirtschaftsgesetz § 101.
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